Wenn Alles tödlich still ist. – Kapitel 2 – Teil 1

Guten Nachmittag, meine Lieben!
Es geht endlich weiter – ich hoffe der Teil gefällt euch, auch wenn er nicht so lang ist. Ich werde am Wochenende aber sicher noch einige Dinge machen und viel viel schreiben. Gruß, eure Lisa

„So kann es einfach nicht weitergehen. Du lebst vor dich hin und machst Nichts mehr. Du kannst doch nicht einfach warten, bis dein Leben auch vorbei ist. Glaubst du, dass Alexander das gewollt hätte? Glaubst du das?“Ich schüttele den Kopf. „Du musst wieder anfangen zu leben, das hat doch keinen Sinn sonst. Glaubst du, deine Frau und deine Tochter werden bei dir bleiben, wenn du so weitermachst?“

Das war der Moment in dem ich langsam in die Realität zurückkam und sozusagen aus meinem ‚Trauerschlaf’ erwachte. „Du hast Recht. Und ich weiß das. Ich werde das schon hinkriegen“, murmelte ich und erhob mich dann. Ich hatte Pläne im Kopf und die wollte ich unbedingt durchsetzen. „Was machst du? Du siehst so entschlossen aus“, stellt Mark fest und ich nickte. „Ich muss noch was erledigen. Wir sehen uns bestimmt später Zuhause“, sagte ich noch, bevor ich schnellen Schrittes den Friedhof verließ. Sorry, Alex, morgen werde ich dich zum ersten Mal nach fast zwei Monaten, nicht besuchen kommen, dachte ich noch, als ich an allen Gräbern vorbei am Haupttor durch und zu meinem Auto ging und Richtung nach Hause fuhr.

Auf dem Weg dorthin, hielt ich noch beim Supermarkt meines Vertrauens an, ich wollte ein paar Besorgungen machen, wie zum Beispiel ein paar Kleinigkeiten zum Kochen. Ich wollte kochen, auch wenn ich eigentlich keine Lust hatte, aber ich musste ja irgendwie Willen zeigen und das schien mir die beste Möglichkeit, um meiner Frau zu beweisen, dass ich etwas ändern wollte.
Ich wusste selbst noch nicht so genau, wie ich das anstellen konnte, aber ich gab mir alle Mühe zu zeigen, dass ich wusste, wie falsch es war, wie ich mich die letzten Wochen verhalten hatte. Als ich alle Zutaten beisammen hatte – Noriblätter, Reis, Fisch, Wasabi und andere Köstlichkeiten – fuhr ich nach Hause. Als ich das Haus sah, wurde mir erneut klar, dass ich wirklich den Wunsch verspürte da auszuziehen, aber das wollte ich Mark noch nicht sagen, weil ich fürchtete, dass er nicht bereit war, das Haus aufzugeben, ich ihn aber auch nicht alleine lassen wollte.

In der Hoffnung auf genug Zeit, bevor Bea nach Hause kommen würde, damit ich in Ruhe das Essen vorbereiten konnte, trat ich in den Flur, zog Schuhe und Jacke aus und ging direkt in die  Küche. Ich sah auf die Uhr: 16.25Uhr. Genug Zeit also, bis sie nach Hause kamen und ich Bea ihr Lieblingsessen – Sushi – selbstgemacht und das zum ersten Mal von einem absoluten Kochmuffel wie mir, präsentieren konnte.

Ich verbrachte Stunden damit, Reis zu kochen, Fisch und Gemüse zu schneiden, Noriblätter zu rollen  mit einer Bambusplatte, die Bea extra dafür gekauft hatte, darauf aufzupassen, dass an den Seiten nichts rausfiel und das Alles zusammenblieb, dass ich total die Zeit vergaß und um 20Uhr meine beiden Frauen nach Hause kamen und Bea im Türrahmen stand und mich erstaunt ansah. „Was hast du denn hier veranstaltet?“, fragte sie lächelnd und ich sah ihr an, dass sie sich freute. „Hi meine Süßen..“, sagte ich und hatte plötzlich einen dicken Kloß im Hals. Ich wusste, dass ich mich schlecht verhalten hatte, aber ich kam mir plötzlich so schrecklich vor. Als ich meine Frau ansah, sah ich, dass sie die Haare vollkommen anders trug. Normalerweise waren sie schulterlang, nun aber nur noch bis zum Kinn und moderner gestylt. „Was ist denn mit deinen Haaren passiert?“, fragte ich, während ich auf sie zuging und ihr einen Kuss auf die Wange gab. Meiner Kleinen, die sie auf dem Arm trug, streichelte ich über das Gesicht, was sie dazu brachte, die Arme nach mir, ihrem Papa, auszustrecken. „Ich war vor ein paar Wochen schon beim Frisör..“, sagte sie und ich merkte ihr an, dass sie das eigentlich nicht so sagen wollte. Schließlich war mir in den letzten Wochen keinerlei Veränderung an ihr aufgefallen. Das war wiederum der Moment, in dem ich begann mich in Grund und Boden zu schämen. „Gefällt mir“, sagte ich lächelnd. Sie sagte „Ist mal was Neues..“, nickte und setzte -Leonie auf dem Boden ab. Leonie war unsere gemeinsame Tochter, die im September geboren wurde, war also knapp fünf Monate alt und wirklich – eigentlich – mein ganzer Stolz. Ich schämte mich dafür die letzten zwei Monate so gut wie gar kein Teil ihres Lebens oder ihrer Entwicklung gewesen zu sein. Ich schämte mich meine Frau, Bea, mit all den Dingen allein gelassen zu haben. Ich schämte mich, weil ich mich schämte.

„Was hast du denn gekocht?“, fragte Bea
mich, sich fragend umsehend.

Ich lächelte, öffnete den Kühlschrank und holte die Platte heraus, auf der ich das Sushi aufgebaut hatte. „Oh Gott, Nick. Toll, das ist ja super. Wow, das sieht klasse aus“, sagte Bea und gab mir einen langen Kuss.

Vielleicht konnte ja doch Alles gut werden?

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Über wortgeschichten

Lisa, 19, with love to books, music and life.
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4 Antworten zu Wenn Alles tödlich still ist. – Kapitel 2 – Teil 1

  1. Pia schreibt:

    Schönes Kapitel, wirklich ♥ man kann sich so schön in Nick hineinversetzen, finde ich. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Vor allem natürlich auf die Antwort der Frage im allerletzten Satz.

    Jep, ich bin heute Abend on. Später fahre ich noch zum Frisör, aber danach komme ich.
    Hoffentlich funktioniert das Forum endlich wieder, ich gucke gleich mal…

    Kuss, Pia

  2. Iki schreibt:

    Das ist echt eines der schönsten Dinge die ein Mann, der auch noch Kochmuffel ist für seine Frau tun kann 🙂
    schöne Idee
    Schlimm das ihm nicht mal aufgefallen ist, das seine Frau beim Friseur war, aber sie scheint es ja zu verstehen^^
    Ich freu mich mehr von den dreien zu hören 🙂

  3. Pia schreibt:

    Nur eine kurze Meldung: meine Woche wird glaube/hoffe ich, ganz okay. Zumindest fällt mir gerade nichts ein, worauf ich absolut keinen Bock habe =D ich war heute und gestern fließig und habe NUR an der Facharbeit geschrieben – mit Erfolg, ich bin ziemlich weit gekommen. Deswegen mache ich heute Abend nichts mehr und gehe jetzt offline. Lesen oder TV, mal sehen.
    Morgen geht auf jeden Fall. Ich muss auch noch mit Annalena wegen Oberhausen besprechen, das wollen wir jetzt mal machen. Morgen Abend ab halb acht bin ich dann wahrscheinlich online (:
    Ich denk an dich und wünsche dir viel Erfolg bei deinen Prüfungen ♥ Küsschen, Pia

  4. lotusblumenblatt schreibt:

    Dass dieser Teil nicht so lang ist, macht gar nichts.
    Denn er ist wundervoll!!
    Es hat mich wirklich zufrieden gemacht und zu einem breiten Lächeln gebracht.
    Nick beim ersten Schritt zurück ins Leben zu sehen, ist wirklich ein gutes Gefühl.
    Das Bild, dass ich von ihm – charakterlich – hatte, hat sich noch einmal sehr gewandelt in diesem Abschnitt, denn bei dem Gespräch mit seiner Frau und der Erzählung von seiner Tochter, ist er plötzlich viel reifer und erwachsener geworden in meiner Vorstellung.
    Ein gutaussehender, reifer Mann.
    Ich denke, dass seine Frau, die ja sicherlich wusste wie eng Nicks Beziehung zu seinem Bruder war, Verständnis für seine so tiefe Trauer hat, doch sind Nicks Schuldgefühle dennoch gut, denn sie bewegen ihn dazu wieder Verantwortung zu tragen und die lebenden Menschen, die er liebt, zu beachten und wertzuschätzen.
    Das Bild in meinem Kopf, das ich von seiner Tochter habe, ist wundervoll. Ein kleiner Engel zum Liebhaben.
    Ich bin gespannt ob das wirklich der erste Schritt in die richtige Richtung war oder ob es doch noch große Schwierigkeiten geben wird.
    Was Mark dazu sagen wird, dass Nick aus dem Haus ausziehen will, interessiert mich sehr.

    Aber zunächst hat dieser Teil mir gute Laune und etwas Fröhlichkeit bescherrt.
    Ich bin gespannt wie es weitergeht!! (:

    In Liebe, deine J. ♥

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