Wenn Alles tödlich still ist – Prolog [Titel ändert sich noch]

Ihr Lieben, ich bin wieder fleißig am Schreiben; habe seit Wochen eine Idee im Kopf, die ich gerne – mit euch – verwirklichen möchte. Wie immer poste ich die Geschichte hier, sie bekommt dann eine Extraseite. Ihr kommentiert, ich schreibe weiter. Ich bin fleißig dabei und kann es kaum erwarten euch ‚das Buch‘ zu präsentieren. Hier bekommt ihr den Prolog. Ich freue mich riesig, auf eure Anmerkungen, Kommentare usw.Lasst es raus! Ich persönlich habe zum Prolog ‚Kissing you‘ gehört. Wenn ihr musische Untermalung braucht, könnt ihr das  hier nachempfinden. In Liebe, Blumenmaedchen

Ich habe niemals ernsthaft darüber nachgedacht, wie es sein würde, dich zu verlieren. Niemals, weil ich glaubte, dass wir unsterblich waren – du und ich. Wir waren unsterblich in all der Zeit, in all den Jahren, die wir hatten. Früher hatten wir manchmal Scherze gemacht, wie es sein würde, wenn der Eine von uns mal nicht mehr sein würde und du warst immer der festen Überzeugung, dass du vor mir gehen müsstest, nur um nicht ertragen zu müssen, wie die Welt ohne mich wäre. Ich hatte dem widersprochen, allein der Gedanke, dass ich ohne dich sein könnte, war für mich so absurd und grausam, dass ich nicht darüber nachdenken wollte, es einfach nicht konnte. Du hast stets gesagt, ich solle mich nicht so haben, solle ein ‚richtiger Mann’ sein und akzeptieren, dass du es genau so haben möchtest und niemals anders, ganz egal, was passieren sollte. „Und was, wenn ich totkrank werde?“, habe ich dich eines Tages gefragt. Du zucktest die Achseln. Ich sah dich an und sah, dass du genau wusstest, dass du auf keinen Fall sein wolltest ohne mich und ich wusste, dass es keinen Sinn haben würde eine Diskussion darüber vom Zaun zu brechen. Für mich stand in diesen Momenten fest, dass ich ebenso wenig ohne dich sein wollte. „Ich will, dass du viele Kinder bekommst und.. ach, lassen wir das..“, sagtest du zu mir. Ich sah dich an, wusste nicht, was du mir sagen wolltest. „Gibt es irgendwas, was du mir sagen willst?“, fragte ich dich. Du schüttelst mit dem Kopf. „Ich denke nur manchmal darüber nach. Es macht mir einfach Angst“. Damit war das Gespräch über dieses Thema beendet, aber ich wusste, dass es sicherlich irgendwann noch einmal aufkommen würde. Aber das kam es nicht. Nie wieder.

Ich habe niemals daran gezweifelt, dass Menschen zerbrechen können, wenn ihnen das Wichtigste im Leben genommen wird. Ich habe nur nicht gewusst, wie es sich anfühlt zu zerbrechen. Ich wusste nicht, was Stille für Schmerzen auslösen kann. Die Stille, die in meinem Zuhause herrscht seitdem, weil du einfach nicht da bist. Wenn du da warst, war es niemals still. Es fing bereits morgens an, wenn ich aufwachte und hörte, wie du in der Küche Schubladen auf- und zumachst; wie du den Geschirrspüler ausräumst und das Geschirr so laut klappert, als würde es einen lautstark fröhlichen Guten-Morgen-Gruß an mich senden wollen oder wie du die Türen hinter dir zufallen ließest, lautstark telefoniertest und all das, während ich noch im Bett lag. Damals, hatten mich diese mir erscheinenden Provokationen so gestört, aber heute kommt schier die Verzweiflung jeden Morgen, wenn ich diese Stille, also Nichts, höre und bemerke. Es ist einfach Nichts da.  Absolut Nichts.

Mittags, wenn ich mal vor dir Zuhause war, saß ich meist auf dem Sofa im Wohnzimmer, habe irgendwas gemacht; die Haustür ging auf, du warfst deinen Schlüssel geräuschvoll auf die Kommode neben unserer Eingangstür und Jacke und Tasche direkt auf die Bank daneben. Wumm. Schritte über das Parkett, die Tür vom Badezimmer, die Klospülung, der Wasserhahn, die Tür vom Bad. Die Tür vom Wohnzimmer. „Hi, du bist ja schon da.“ „Ja, ich bin früher gegangen. Hast du Hunger? Sind noch Nudeln da.“ All diese Alltäglichkeiten, die es heute nicht mehr gibt, die es nie wieder geben wird. Einfach diese Stille, die mich allgegenwärtig umgibt. Die Stille, der ich nicht entfliehen kann.

Das Schlimmste aber ist deine Stimme, dein Gesang, der durchs ganze Haus schallte. Immer. Und nicht nur unter der Dusche. Du hast immer gesungen und Musik gemacht, warst nicht zu bremsen, auch wenn es mich noch so nervte und ich dir manchmal am Liebsten die Luft abgedreht hätte. Wie gerne würde ich tagelang, wochenlang deinen Gesang (der gar nicht schlecht war) über mich ergehen lassen und einfach nur zuhören, nur, damit du wieder bei mir wärst. Bei mir. Mit mir. Ich vermisse dich so sehr.

Und dann die Abende, an denen wir gemeinsam aßen, tranken, spielten, TV sahen oder uns einfach nur unterhielten. All diese Dinge. Dein lautes Trinkgeräusch; das laute Schmatzen, welches du so oft absichtlich machtest beim Essen; dein Lachen, dieses unglaublich hohe und manchmal hysterische Lachen; deine Ungeduld, wenn wir spielten. Deine unglaubliche Ungeduld und das ‚nicht verlieren können’, was doch irgendwie sympathisch war. Die stundenlangen Diskussionen mit dir über alle Themen und all die Liebe, die du mir gegeben hast jeden Tag. Die Briefe, die du mir morgens auf den Tisch gelegt hast „Hab einen schönen Tag. Sei fleißig“ oder die mittaglichen Mails oder sms von dir „Wie ist dein Tag bisher? Ich mache grad Pause bei einem Salat. Heute Abend Pizza und DVD’s?“ All diese Dinge habe ich sicher nicht genug geschätzt in all den Jahren und dennoch musst du einfach wissen, dass sie für mich niemals selbstverständlich gewesen sind. Ich habe dich immer geschätzt und gebraucht, wie Niemanden sonst.

Ich vermisse deine Anwesenheit in jedem Moment an jedem Tag und kann einfach nicht weitermachen. Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird. Du warst so vieles für mich, hast mich immer bestärkt und mich nie allein gelassen oder als Verlierer dastehen lassen, warst immer für mich da. Du warst die eine Hälfte in meinem Leben, weil du du warst und ich dich so sehr geliebt habe, wie man einen Menschen nur lieben kann. Und seit du weg bist, fehlt etwas in mir.

Auch, wenn ich nicht allein bin, fehlst du mir so sehr, dass es mich von innen auffrisst, wenn mir unmittelbar bewusst wird, dass du nicht wiederkommen wirst, so wie du es nach deiner zweiwöchigen Reise vor ein paar Jahren getan hast. Zwei Wochen lang habe ich es geschafft, weil du dich gemeldet hast, weil ich nicht alleine war, schließlich habe ich auch noch Pflichten und ‚mein eigenes Leben’, habe ich dir stark am Telefon gesagt, aber dennoch war es komisch dich nicht bei mir zu haben – wir waren doch immer zusammen sonst. Nach zwei Wochen ging die Tür auf. Du warfst deinen Schlüssel auf die Kommode und die Jacke und Tasche auf die Bank, die daneben stand. Du liefst durch den Flur und kamst ins Wohnzimmer. „Mensch, wieso hast du nicht angerufen? Ich hätte dich doch abgeholt!“, war mein erster Satz, den ich zu dir sagte. „Ich bin mit Mark gekommen“; erwidertest du und ich nickte und grinste und schloss dich endlich endlich endlich wieder in die Arme.

Wir Menschen neigen wohl einfach dazu, Dinge, die wir oft um uns herum haben, als selbstverständlich anzusehen. Menschen, die wir mehr als einmal im halben Jahr sehen und dann wieder treffen, scheinen uns wie ‚oft da’, so ‚als wäre es immer so’ und genau das ist und war der Fehler. Mein Fehler. Ich war so damit vertraut, dass du bei mir warst, mit mir lebtest und immer da warst, dass ich nicht einen Gedanken daran verschwendete, dass es immer das letzte Mal gewesen sein könnte. Wir waren doch noch so jung. So jung. Für die Zukunft weiß ich ganz sicher, dass ich nie wieder Jemanden als selbstverständlich ansehen werde und kann. Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, wenn man das Wichtigste im Leben verliert – den eigenen Bruder.

Ende Prolog

Das oben geschriebene ist vollkommene Fiktion. Die Gedanken, Rechtschreibfehler, Wörter, Fehler etc. gehören mir. Wer die Geschichte ohne Quellenangabe auf seinem Blog veröffentlicht oder kopiert, verstößt gegen das Urheberrecht.
Danke bereits an Alle, die diese Geschichte lesen werden und kommentieren.

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Über wortgeschichten

Lisa, 19, with love to books, music and life.
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7 Antworten zu Wenn Alles tödlich still ist – Prolog [Titel ändert sich noch]

  1. Rita schreibt:

    Es ist so gut. Ich hab vor den Augen, wen du auch vor den Augen hast, aber ich gebe mir Mühe, die zu verdrängen und egal, wer es ist, es ist schrecklich traurig. In jedem Abschnitt findet man doch irgendwelche Erinnerungen wieder und das macht es klasse. Weil man erst so Menschen berührt. Indem man Dinge schreibt, die einen augenblicklich irgendwie mit dem Leser verbinden, weil er sich auch darin wiederfinden kann. Ich hoffe, dass es ein bisschen noch von diesen zweien weg kommt, die wir uns jetzt vorstellen. Ansonsten nimm sie einfach ganz bewusst, das macht es leichter. Ich hab auch das Lied dazu gehört und das macht es noch trauriger. Aber ich find sowas super, weil man sich so viel besser einfindet. Der Anfang hier erinnert mich ein bisschen an eine FF, die ich vor Jahren gelesen habe und die ich niemals vergessen kann, weil sie so schrecklich war. Ich bin so so sehr gespannt. Du kannst es so gut, Schreiben. ❤ (:

  2. Ela schreibt:

    Dein Text nimmt einen schon ab dem ersten Satz ein. Ich find die Idee sehr herzergreifend und den Prolog sehr melancholisch und traurig…mich hats wirklich berührt, so wie du schreibst…. auch wenn ich kurz brauchte, um mir die Situation erstmal zu erschließen… aber das gefällt mir, dass nichts von Anfang gleich „offensichtlich“ ist und, dass du sozusagen zum Schluss erst auflöst, von wem genau gesprochen wird…
    nach dem zweiten absatz hats dann aber klick gemacht:D
    Ich wäre auf jeden Fall gespannt, wie du in die Geschichte selber einsteigst und natürlich, wie es dazu gekommen ist….

  3. lotusblumenblatt schreibt:

    Hallo Liebste. ♥
    Der Text ist wundervoll. Ich muss sagen, dass ich während des Lesens mehrere Personen im Kopf vor Augen hatte – erst zum Ende hin fokussierte es sich dann auf zwei Personen.
    Während des Lesens habe ich mich immer wieder an eigene Eindrücke erinnert gefühlt.
    Einige Charaktereigenschaften erinnern mich an die Person, die mir am nächsten steht.
    Entweder hast du unbewusst Charakterzüge von dich auf die Person übertragen oder ihr stimmt in einigen Punkten einfach überein.
    Wie es auch sein mag – es hat mich persönlich berührt und auch ich bin mir sehr sicher, dass jemand zerbrechen kann, wenn so etwas passiert.
    Ich finde, dass es so wie du es schreibst wundervoll ist.
    Du hast in diesem Prolog Personen skizziert und dennoch Freiraum für jeden Leser gelassen, sodass sich jeder noch eigene Vorstellung reininterpretieren kann.
    Ich bin sehr gespannt wie es nach diesem Prolog weitergehen wird.
    War er nun ein Rückblick und es geht jetzt mit dem Leben ohne den Bruder weiter?
    Oder war es ein Blick in die Zukunft und man erfährt zunächst noch wie das Leben vor dem Schicksalsschlag war?
    Erfährt man überhaupt wie es zu dem Verlust kam?
    Wenn man wüsste, das Genre wäre Krimi / Thriller – ich würde denken, es geht darum rauszufinden, wie es zu dem Tod des Bruders kam, da es sicherlich um ein mysteriöses Verbrechen handelte.
    Wäre es eine Lebens-/Liebesgeschichte – ich würde denken, es ginge darum wie die Hauptperson ihren Weg zurück ins Leben findet, lernt den Alltag wieder zu meistern und vielleicht die Liebe findet, die ihm hilft, weiterzuleben.
    Ich bin unglaublich gespannt, wie es weitergeht und ich finde es gut, dass ich mir die zwei Personen vorstellen konnte, die du wohl auch vor Augen hattest.
    Denn es steht jedem frei, ob er sie sich vorstellt oder nicht.
    Und wenn es jetzt wirklich um die Zeit nach dem Verlust geht, wird es nicht so sein, dass zu stark durchkommt, um wen es sich handeln könnte – sodass wirklich jeder seine ganz eigenen Personen beim Lesen deiner Geschicht vor sich sieht.

    Auf jeden Fall ist dir dieser Prolog uglaublich gut geglückt.
    Ein kleines Meisterwerk und eine perfekte Eröffnung für eine vermutlich wunderbare Geschichte.

    Ich bin sehr gespannt, was kommen wird.

  4. Pia schreibt:

    Ich finde den Text wirklich sehr schön. Leider hab ich kaum Zeit und sitze noch zwischen Englisch Hausaufgabenrecherche und Mathe Wachstumsaufgaben, deswegen wird mein Kommentar verhältnismäßig kurz, aber trotzdem möchte ich mich kurz melden.
    Ich finde den Text sehr ergreifend und musste eigentlich gar nicht an „die zwei Jungs“ denken ;D im Nachhinein fiel es mir wieder ein. Erstens aufgrund des letzten Satzes uns zweitens wegen deines Tweets. Mir hat das Lesen echt gefallen und wenn du die Geschichte fortsetzt, werde ich sie auch weiterhin lesen.

    Danke für den Tag gestern, ich fand es klasse (: wir schreiben in den nächsten Tagen und suchen am besten gleich schon den nächsten Termin, ja?
    Kussi, Pia

  5. anonym schreibt:

    Dieser Text ist wundervoll geschrieben und er hat mir ziemlich viel Angst gemacht, muss ich zugeben.
    Er hat mich sehr an mich selbst erinnert. Zum Glück habe ich so einen Verlust nicht erleben müssen, aber ich weiß ganz genau, dass ich daran zerbrechen würde.
    Kurz nachdem ich den Prolog zu Ende gelesen hatte, hat mein Bruder seinen Kopf zur Tür reingesteckt, einen Spruch gerissen und mich provokant lächelnd begrüßt.
    Zum Abschied habe ich dann ein Kissen an den Kopf bekommen.
    Dass mir die Tränen in den Augen standen, hat er zum Glück nicht gesehen.

    Du schreibst sehr gut.

  6. Franzi schreibt:

    Wunderbar. Spannend und fesselnd =) ich dachte zuerst an eine andere Person, als ich die oberen Absätze gelesen habe und nicht an einen Bruder, aber ich glaube es ist egal, um welche Person es sich handelt, auf jeden Fall eine der wichtigsten im Leben.
    Du machst es so super und bringst alle Aspekte rein, ich bin total fasziniert. Mach bitte weiter, ich liebe diese Geschichten und ich lese sie gern. Und das komische, genau das kommt darin vor, was ich selbst manchmal denke, dass alles zu selbstverstänlich ist und das man die wichtigsten Personen im Leben auch zu schätzen weiß und die zeit mit ihnen genießt. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht,

  7. Pia schreibt:

    Nun zu deinem Kommentar: in der Schule ansich ist im Moment nicht sooo viel zu tun. Erstens wegen der Facharbeit. Die Lehrer geben uns möglichst wenig Hausaufgaben, damit wir Zeit zum Schreiben haben. 23 Tage habe ich noch Zeit. Oh Mann. Bin ich froh, wenn das vorbei ist. Und dazukommt, dass der 12/13-Jahrgang gerade Vorabi schreibt, letzte Woche fings an, nächste Woche ist die letzte Prüfung. Deswegen sind die Lehrer auch gestreßt. Wenn ich Anfang März meine Facharbeit los bin, kann ich erstmal entspannen, weil die nächste Klausur (Ergänzungsfach) eine Woche vor den Osterferien ist und die Flutwelle erst im Mai losgeht. Bin ich froh, wenn das verdammte Schuljahr rum ist und es endlich wieder wärmer draußen wird =D
    Und du? Hast du schon angefangen zu lernen?
    Ich denk an dich ♥

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