Von der stärksten Frau der Welt.

Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, an dem meine Mutter weinend in der Küche saß. Ich kam grad von der Schule nach Hause, als ich sie da fand. Sie saß auf einem Stuhl, zusammengesunken und blass, ein Taschentuch in ihrer Hand. Ich hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt nie so gesehen. Das war das erste Mal, dass mir klar wurde, dass wir ihr das Wichtigste auf der Welt waren. Allein der Gedanke uns verlieren zu können, würde sie zerstören, kaputt machen. Aber das habe ich damals noch nicht verstanden.

Ich kam von der Schule, die mir schon damals nicht sonderlich viel Spaß bereitete; fand meine Mutter, die für  mich die stärkste Frau der Welt war, sitzend wie ein Haufen Elend in der Küche und hatte keine Ahnung was los war. Als sie mich bemerkte, sah sie auf, erschrocken. „Geh auf dein Zimmer“, sagte sie nur knapp und als ich fragte, ob was passiert sei, ob was mit Oma sei, ob überhaupt irgendwas sei, sagte sie: „Mama geht es nur nicht so gut, Liebling. Bitte geh auf dein Zimmer, ich brauche ein bisschen Ruhe.“

Ich vergaß die Situation, verbrachte den Nachmittag mit meinem Bruder und sah mir Disneyfilme an und malte nebenbei. Ich vergaß Alles, bis ich wieder in meinem Bett lag abends und ich meine Mutter leise weinen hörte. Ich mit meinen gerade sechs Jahren hatte solche Angst, war mir so sicher, dass etwas furchtbar schlimmes passiert sein musste, dass ich mich nicht aus dem Bett traute und begann zu weinen. Es hörte nicht mehr auf, ich weinte und weinte, bis irgendwann mein Bruder reinkam und mich frage, was los mit mir sei. Das wiederum war der Moment, in dem ich merkte, dass mein Bruder spüren konnte, wie ich mich fühlte.

Dieser Tag war einschneidend für mein Leben.
Einschneidend, weil ich nie wieder vergessen wollte, DASS meine Mutter die stärkste Frau der Welt und mein Bruder der beste Mensch war, den ich kannte. Und vor allem, weil ich mit diesen Tagen lernte, dass meine Mutter ohne mich und ihn nie würde leben können.

Mein Vater war nie leicht gewesen. Das Leben mit ihm war schwer und wir sahen uns Alle nur selten. Aber wenn, dann waren wir glücklich. So dachte ich es zumindest.

Meine Mutter hat mich stets unterstützt und zu mir gestanden in all den Jahren, war nie gegen mich, hat Alles mitgemacht. Sie war es sogar, die mir ihren Kajal zum Ausprobieren überließ. Ich habe mich wohl nie so dafür bedankt, wie ich es gesollt hätte und vielleicht kann ich das eines Tages tun – helft ihr mir dabei?

Dieser Text ist vollkommen fiktiv und entspringt einer Fanfictionidee von mir. siehe Kategorie: Schreibstätte

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Über wortgeschichten

Lisa, 19, with love to books, music and life.
Dieser Beitrag wurde unter Schreibstätte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Von der stärksten Frau der Welt.

  1. lotusblumenblatt schreibt:

    Wow.
    Das ist ein unglaublich schön geschriebener und sehr bewegender Text.
    Er geht direkt ins Herz und regt zum Nachdenken an.

    Du bist eine Wortkünstlerin. Du kannst mir Worten zaubern.

  2. Rita schreibt:

    schatz, das ist so schön geschrieben. ❤ Ich glaube, das Gefühl haben wir alle mal, dass wir unseren Eltern niemals wirklich das zurück geben können, was sie verdient haben, und vielleicht schon viel zu oft ungerecht waren mit dem, was wir getan haben. Aber du schreibst es ja genau wie es ist. Ich denke nicht, dass irgendeine Mama jemals denken würde, sein Kind hätte eigentlich viel dankbarer für all das sein müssen, was sie für es tut. Viel mehr ist es wahrscheinlich für die meisten etwas wirklich besonderes und genau das macht es dann auch aus. Alleine, weil es gar nicht immer so einfach ist, Danke zu sagen. Das macht es umso schöner (:

  3. Franzi schreibt:

    Das wirkt sowas von echt, also so als wäre mir das soeben passiert, obwohl ich keinen Bruder habe o.O
    du bist ja der Wahnsinn =)
    sehr schön schreibst du und dies ist mein erster Kommentar auf deinem Blog, das ist ja blöd, also ich bin blöd, es tut mir leid, ich drücke dich an mein Herz ♥
    du bist eine wunderbare kreative Schreiberin, also mach weiter so, vllt wird es zu deiner Berufung 😉 küsschen

  4. Pia schreibt:

    Mal sehen, wie sich das noch entwickelt. Vielleicht ist es eine Tiefphase, vielleicht bleibt’s auch so.. mal sehen (: Aber die Erinnerung bleibt. Und die Erfahrung, wie du schon meintest. Und ich bereue nichts davon. Die Jungs haben immer wieder so starke Glücksgefühle in mir ausgelöst und ich habe tolle Menschen wie euch kennengelernt. Wobei ihr drei die Besten von allen seid, echt. Mit euch hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt und wir sehen uns und so weiter. Mit den anderen sind es so .. so kurze Freundschaften sind entstanden. Man hat sich vielleicht zwei Mal getroffen und das war’s. Jetzt schreibe ich schon wieder so viel über Tokio Hotel, obwohl ich das gar nicht will XD

    Hm… beim Praktikum war ich im Bereich Theaterpädagogik und Dramaturgie, konnte aber auch in die Requisiten usw reinschnuppern. Und am meisten interessiert mich davon die Dramaturgie oder sogar die Intendanz, aber das kann man nicht studieren. Intendant ist quasi das höchste und du bist für die Zeit der „Besitzer“ des Theaters, der letztendlich alles entscheidet, was der Rest macht. So wie die Bundeskanzlerin. Es werden Entscheidungen getroffen, die alle letztendlich auf ihrem Schreibtisch landen. Theaterpädadogen beschäftigen sich halt vor allem mit der Arbeit mit Jugendlichen, führen Gespräche nach und vor den Inszenierungen und so weiter… und sonst natürlich noch der Beruf des Schauspielers. Aber das ist sehr hart und du musst stark sein. Allein in Berlin gibt es 15.000 freie Schauspieler (als Künstler bist du nicht arbeitslos, sondern „frei“ 😀 ). In der Schauspielschule werden normalerweise nur die besten genommen, aber wenn du nach den 6-8 Semestern fertig bist, geht der harte Teil erst los – die Jobsuche. Die Ensembles in Theatern bestehen meist aus 10 bis allerallerhöchstens 40 Schauspielern und dementsprechend achten die schon darauf, wen sie nehmen und wen nicht. Dazu kommt, dass du als Schauspieler sehr schlecht verdienst.. im ersten Jahr darfst du nicht mit mehr als 1600€ brutto (!!) erwarten und muss damit überleben. Wenn der Vertrag verlängert wird und dein Intendant nett ist, kannst du mit 100-200€ Zuschlag rechnen. Wie gesagt, harte Angelegenheit.
    Das ist eigentlich das einzige, was mich vom Schauspielstudium im Moment abschreckt. Und weil ich mir ja noch nicht 100%ig sicher bin, werde ich nach dem Abitur (hoffentlich hier in gö) ein FSJ Kultur am Theater machen, damit ich mir sicher sein kann, was ich möchte und nicht mitten im Studium denke „Scheiße, das ist nichts für mich!“

    Ich mag deinen Text sehr gerne, den hast du schön geschrieben. ♥ Wirklich.

    I love you ♥

  5. Pia schreibt:

    Und noch eine cosita: bist du morgen Abend bei MSN? ♥

  6. Ich habe den Text für autobiographisch gehalten, so real und echt las er sich. Sehr schön. Sehr, sehr schön.

    Gruß, Mirka

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